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Kapstadt: Favorit Südafrika hat sich bei
der Vergabe der Fußball-Weltmeiterschaft 2010 durchgesetzt:
Bereits im ersten Wahlgang sicherte sich das Land am Kap der
Guten Hoffnung mit 14:10-Stimmen im Exekutivkomitee des Weltverbandes
Fifa den Zuschlag für die WM-Endrunde in sechs Jahren
und gab Marokko klar das Nachsehen.
Auf den dritten verbliebenen Bewerber Ägypten entfiel
keine Stimme. Zum ersten Mal überhaupt in der 74-jährigen
WM-Geschichte findet eine Weltmeisterschaft damit auf dem
afrikanischen Kontinent statt. "Ich habe von allen sehr
gute Bewerbungen gesehen. Der Favorit hat sich durchgesetzt.
Bei aller verständlichen Enttäuschung der unterlegenen
Länder: Der Gewinner ist Afrika", kommentierte DFB-Präsident
Gerhard Mayer-Vorfelder, Mitglied des Exekutiv-Komitees, die
Entscheidung.
Vor vier Jahren war Südafrika mit 11:12-Stimmen im Kampf
um die WM-Endrunde 2006 knapp an Deutschland gescheitert.
Bereits am Freitag hatte Tunesien seine Bewerbung offiziell
zurückgezogen, weil eine gemeinsame Kandidatur mit Libyen
vom "Exko " abgelehnt worden war. Aus dem gleichen
Grund war die libysche Bewerbung am Samstag von der Fifa nicht
zugelassen worden.
Ex-Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger
Nelson Mandela stand an der Spitze der südafrikanischen
Delegation, die mit großem Jubel im World Trade Center
von Zürich die Entscheidung der 24-köpfigen Fifa-Exekutive
zur Kenntnis nahm. "Ich fühle mich wie ein kleiner
Junge mit 15 Jahren. Es ist ein toller Tag für uns. Wir
haben uns gegen hochklassige Konkurrenten durchgesetzt. Das
war nicht einfach. Ich wünschen unseren Mitbewerbern,
dass sie auch einmal so feiern können wie wir heute",
sagte Mandela. Südafrikas Bewerbungs-Chef Danny Jordaan
ergänzte: "Ich fühle mich viel besser als vor
vier Jahren."
Mit den Worten "The Fifa World Cup 2010 will be organised
in South Africa", verkündete Fifa-Präsident
Joseph Blatter am Samstagmittag die Entscheidung. Wenig später
ließ sich Mandela, der in einem goldenen Kaftan gekleidet
war, mit dem goldenen Weltpokal im Blitzlichtgewitter der
Fotografen ablichten.
In Südafrika sorgte der Zuschlag für Jubelfeiern.
Tausende in Kapstadt, Johannesburg, Durban und Soweto feierten
überschwänglich mit Hupkonzerten, Jubelgeschrei
und Freudenpartys den Fifa-Entscheid. Viele schwenkten die
südafrikanische Flagge. Zehn Jahre nach Einführung
der Demokratie im einstigen Apartheid-Staat bedeutete die
WM-Ausrichtung ein wichtiges Signal für die Wirtschaft.
Mandela hatte eine Finanzspritze für Südafrika
in Höhe von 340 Millionen Euro hochgerechnet und glaubt
an die Schaffung von 150.000 neuen Arbeitsplätzen. "Es
könnte für unser Land kein besseres Geschenk zum
10-jährigen Jubiläum geben, als die WM 2010 austragen
zu dürfen", hatte Mandela schon zuvor geäußert.
Mandela gehörte zusammen mit seinem Nachfolger Thabo
Mbeki und Frederik de Klerk, letzter weißer Präsident
Südafrikas, sowie Erzbischof Desmond Tutu der Delegation
in Zürich an. Wie Deutschland vor vier Jahren in Zürich
mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, Super-Model Claudia
Schiffer und dem dreimaligen Wimbledonsieger Boris Becker
als "Daumendrücker" hatte auch die Kap-Republik
auf eine prominente Besetzung vertraut - und Erfolg.
"Afrika ist nicht nur dafür da, Spiele zu exportieren
und nicht nur dafür da, zweimal olympisches Gold wie
1996 und 2000 zu gewinnen. Nein, Afrika ist auch dafür
da, eine Weltmeisterschaft zu organsieren. Die Gerechtigkeit
hat gesiegt", sagte Blatter und hob die Bedeutung der
ersten WM in Afrika hervor.
Schon die Fifa-Inspektoren hatten Südafrika die besten
Voraussetzungen für eine "exzellente Weltmeisterschaft"
bescheinigt. Bei der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses
sorgte die südafrikanische Delegation, die mit Plastiktröten
und Trillerpfeifen ausgestattet war, für ohrenbetäubenden
Lärm.
"Ich bin überzeugt, dass dieses multikulturelle
Land eine sehr gute WM organisieren und eine Botschaft des
Friedens in die Welt schicken wird", erklärte Blatter,
der beeindruckt war, dass der WM-Gastgeber 2010 gleich drei
Friedensnobelpreisträger nach Zürich entsandt hatte.
Bischof Tutu hatte sich farblich von Mandela abgehoben und
trug einen grünen Kaftan, um die Nationalfarben zu repräsentieren.
Besonders groß war die Enttäuschung in Marokko,
das sich zum vierten Mal um die WM-Gastgeberrolle beworben
hatte. "Blatter hat mit der Macht seines Amtes dafür
gesorgt, dass Südafrika den Zuschlag erhält",
sagte Said Nejjar, Mitglied des marokkanischen Bewerbungskomitees,
"er ist der Herr der Fifa und entscheidet alles."
(Quelle: N-TV)
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